Ornament, Muster, Vorhang, Stoffe
Ornamente ziehen sich als Band durch Zeiten, Länder und Kontinente. Mit Linie, Kreis und organischen Formen greifen Menschen seit jeher Konturen aus der Natur auf. Dieser Variantenreichtum in Stoffen, Tapeten und Teppichen fasziniert mich schon immer. Die Bedeutung von Brokatstoffen in gotischen Bildwerken hatte in den letzten zwei Jahren meine besondere Aufmerksamkeit.
In Andacht, 2026 verbinde ich die Auseinandersetzung mit spätgotischen Altarretabeln, Vorhängen und Brokatimitationen mit dem Motiv des Eies. Mich interessiert der Moment, in dem der Vorhang nicht nur Hintergrund bleibt, sondern selbst Bedeutung trägt. Bedeutung des Sichtbaren und des Unsichtbaren, der Kenntlichmachung des Sakralen und Alltäglichen. Anstelle einer mythischen oder religiösen Person erscheint hier das Ei als Bild von Ursprung, Einheit und vielseitigem Element in Mythen in seiner stillen Präsenz. Es entsteht eine Sprache oder Fragen zwischen Bild und Ornament, und zwischen überlieferten Formen und zeitgenössischer Malerei.
Schwester, 2025 zeigt Stoff in Falten, mit Leimfarbe und Öl auf ungrundierter Leinwand gemalt. Die Leinwand bleibt ungefirnisst und offen, das Bild atmet und wirkt schnell haptisch, wie ein Gewebe, das sich berührend liest. Die floralen Muster darauf wandern zwischen Jahrhunderten und Techniken, gestickt wirkend und doch gemalt. Für mich ist Schwester eine Übung in der Nähe, in der Frage, wie viel Wirklichkeit ein offen gelassenes Bild trägt. Darüber hinaus stammt die Vorlage für dieses Bild von einer sehr vertrauten Person.
Das Ei als Träger des Lebens, repräsentiert es Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und Unendlichkeit. Die Geschichte vom (goldenen) Weltenei ist ein kosmologischer Mythos, eine Weltentstehungs-legende, demnach aus dem Ei die Welt in Gestalt eines Urwesens hervorgegangen sei. Dieser Mythos ist in vielen Weltregionen verbreitet, so im indoeuropäischen Sprachraum, in Finnland, Ägypten, Nordamerika, Japan und China. In China entstand dieser Mythos offenbar vor 18’000 Jahren und er besagt, dass nach dem Aufbrechen der Eierschale aus der oberen Hälfte Yang, den Himmel repräsentierend, aus der unteren Hälfte Yin, die Erde entstanden sind. Der Erzählung nach wurde die Schale zum Mond, das Eidotter zur Sonne.


















