Die Sonnenscheibe - Sonnenverehrung und Sonnenkult

Die Sonne wird seit jeher in allen Kulturkreisen verehrt. Frühe Sonnenkultstätten und Artefakte zur Sonne finden sich über den gesamten Erdball. Es ist verständlich, dass der Sonne neben dem Mond und allen Himmelskörpern, so grosse Bedeutung in den Schöpfungsmythen zukam: sie war Schöpferin von Tag und Nacht und bestimmt durch ihren zyklischen Himmelslauf vom Sonnenaufgang im Osten bis zum Sonnenuntergang im Westen über Licht, Wärme und das ganze Leben.


Frühe Sonnenkultstätten

Die bisher ältesten bekannten Kultstätten und Orte, an denen der Sonnenstand gemessen und an denen Rituale der Sommer- und Wintersonnenwende gefeiert wurden sind in Europa Stonehenge in England, 3100 bis 2600 v. Chr. mit seinen Megalithen und das Observatorium aus Hopzpfählen bei Goseck an der Saale, ca. 8000 v. Chr. in Sachsen-Anhalt.

Sonnenobservatorien und Sonnentempel

Mit der speziellen Anordnung der gigantischen Steinfelsen in Stonehenge und den Holzpfählen von Goseck konnten die Menschen den Stand der Sonne und des Mondes im Laufe des Jahres beobachten und verfolgen. Man vermutet, dass dieses Observatorium neben rituellen Handlungen auch dazu diente, den Ackerbau zu planen und mit den Jahreszeiten abzugleichen. Auch Mond- und Sonnenfinsternisse wurden mit Hilfe der Steinformationen vorhergesagt.

Stonehenge

Stonehenge gehört zu einer der ältesten Kultstätten und ist mit seinen monumentalen Gesteinsbrocken ein riesiger Sonnentempel. Die Entstehungszeit von Stonehange wird auf 3100 bis 2600 vor Christi angenommen. Trotz vieler Forschung und Erkenntnisse über die Bedeutung der Anlage als Observatorium, um die zyklischen Geschehnisse am Himmelszelt zu beobachten, wissen wir noch immer wenig. Wenig auch über die damaligen kultischen Gebräuche und rituellen Sitten.

 

Soviel ist sicher: Die Baumeister müssen genaue astronomische Kenntnisse besessen haben. So gibt es Peilsteine und Peillinien, die auf den Sonnenaufgang vor der Sommersonnenwende und den Sonnenuntergang vor der Wintersonnenwende hinweisen.

 

Abgesehen davon ist es ein Kraftort, der Gänsehaut hervorruft, habe ich mir sagen lassen.


Das Observatorium von Goseck

Neben Stonehenge ist das Observatorium bei Goseck an der Saale in Sachsen-Anhalt eine aus Holz gebaute Anlage, die auf den höchsten und niedrigsten Sonnenständen ausgerichtet war. Sie wurde erst 1991 bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt. Ihr Alter wird auf 10.000 Jahre datiert. 

Nur etwa 25 Kilometer entfernt des Observatoriums von Gosek, in Nebra in Sachsen-Snhaltent, endeckten Grabräuber eine 3600 Jahre alte Bronzescheibe mit Darstellungen von Sonne, Mond und Sternen – die Himmelsscheibe aus Nebra - einer der wohl bedeutendsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts. Mit ihrer Hilfe konnten unsere Vorfahren vermutlich schon einfache Berechnungen des Sonnenstands ausführen. 

 

Die Himmelscheibe kann heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle bestaunt werden. Es ist die älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene.

 

 


Auf der Bronzescheibe sind Goldapplikationen, die eindrücklich goldene Sterne, die dargestellte Siebener-Gruppe der Plejaden, Mondsichel, Sonnenscheibe. Horizontbögen an den Seiten zeigen den Sonnenauf- und Untergang sowie am unteren Rand eine Sonnenbarke. Durch intensive und interdisziplinäre Forschung konnten unter der Leitung des Museumsdirektors Harald Meller viele neue Erkenntnisse über die Kunst, Kulturgeschichte, Religion und Lebensform zusammengetragen werden.

Diese Sonnenbarke ist auf der Abbildung des Buchcovers leider nicht zu sehen. Ich finde sie so wahnsinnig spannend, denn bisher ist die Altertumsforschung eher davon ausgegangen, dass Mitteldeutschland und Europa gar keinen Kontakt zum Wissen der ¨überlegenen Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens hatten.

Sonnenwagen und Sonnenbarke

Die tägliche Bewegung der Sonne von Ost nach West stellten sich die Menschen auch als „Sonnenwagen“ vor. Ein Beispiel aus der nordischen Bronzezeit ist der von einem Pferd gezogene Sonnenwagen von Trundholm. Noch bekannter ist der altgriechische personifizierte Sonnengott Helios. Er führte den Sonnenwagen, gezogen von vier Pferden, täglich über das Firmament. Abbildungen dazu im Blogbeitrag: Sonnenscheibe - Sonnensymbolik.

Sonnenkult der Inkas

Die kaum überschaubare Anzahl an Sonnengöttinnen- und Göttern ist derart miteinander verwoben und ihre Ursprünge gründen auf Mythen und Legenden, verschmelzen in Religionen wurden adaptiert oder auch verändert und reichen bis in unsere heutige Zeit. Die Sonnen-Symbolik findet sich auf verschiedenen Kontinenten zeitgleich.

Alle grossen alten Volksstämme Südamerikas, die Inkas, Azteken und die Mayas verehrten die Sonne, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Bis heute ist das Symbol der Sonne auf den Flaggen von Argentinien, Peru, Uruguay, New Mexico, Ecuador und Kolumbien präsent und ebenso auf Nationalflaggen vieler anderer Länder und Völker, wie China, Tibet, Makedonien, Japan, und der Ureinwohner Australiens.

Sonenkultstätte der Inkas - Machu Picchu in Peru

Die höchste Gottheit in der Mythologie der Inkas in Südamerika war der Sonnengott Inti und die Sonnenverehrung fand, im wahrsten Sinne des Wortes, einen Höhepunkt mit der Kultstätte Machu Picchu aus dem 15. Jahrhundert. Es liegt im Südosten Perus, auf einem Hochplateau der Anden, in beachtlichen 2400 Meter Höhe.

 

Von dort ist bisher zwar kein Bildnis einer Sonnenscheibe überliefert, sondern die ganze Anlage war ein Sonnentempel eine Sonnenkultstätte, zu Ehren des Sonnengotts Inti erbaut, der höchsten Gottheit in der Mythologie der Inkas.

 

Sie diente als Residenz für den Inka-König und die Sonnenpriester. Hier treffen Sonne und Berge zusammen. Die Höhenlage war bedeutend für Anbetungsrituale und für astronomische Beobachtungen des Himmels und seiner Gestirne. All diese magischen und imposanten Ort ziehen noch immer Menschen an und es werden auch heute noch Sommer- und Wintersonnenwenden gefeiert.

 


Der Sonnenstein der Azteken

Die Abbildung zeigt eine Nachbildung aus Kupfer, ein Touristensouvenir, das seit 20 Jahren bei uns im Badezimmer hängt, ohne dass ich bis vor zwei Jahren wusste, was es eigentlich darstellen soll… 

Manchen mag der Sonnenstein, oder «Kalenderstein» bezeichnet, des Aztekischen Haupttempels in Tenochtitlan, bekannt sein. Er befindet sich heute im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko.

 

Mit seinem Durchmesser von 3,6 Metern und einer Dicke von 1,22 Metern diente er offenbar als Opferstein, um das Blut der Geopferten aufzunehmen und dadurch für den Fortbestand der lebensspendenden Sonne zu sorgen.

 

In der Mitte zeigt er das Gesicht des Sonnengottes Tonatiuh oder der Erdgöttin Tlaltecutli mit herausgestreckter Zunge, die im Original wie Opfermesser spitz zuläuft. 


Obwohl den alten Sonnengottheiten und Mythen rund um die Sonnenverehrung heute allgemein keine grosse Bedeutung mehr zukommt - das Interesse an der Sonne ist ungebrochen. Die Sonne steht derzeit sogar im Focus der Astrophysik und Raumfahrt.

Und so liefert uns nicht mehr nur die Kunst Bilder von der Sonne, sondern in weitaus grösserem Umfang die Weltraumforschung ESA und NASA. Das wissenschaftliche Interesse an der Sonne ist gross. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0