Die Sonnenscheibe in Mythologie und Schöpfungsgeschichte

Der Sonne können wir andichten, was wir wollen, sie spielt in jeder Schöpfungsgeschichte rund um den Erdball eine bedeutende Rolle: Mesopotamien, Griechenland, China, Afrika, Australien und Südamerika... Und an der Sonnenscheibe kommt nicht vorbei, wer sich mit der ägyptischen Mythologie beschäftigt. Dieser Blog gibt eine vereinfachte Übersicht über die Bedeutung der Sonnenscheibe im alten Ägypten und schliesst ab mit einem Sprung nach Indien zur Sonnengottheit Surya, dem Prinzip der Sonne 


Die Sonne in den Schöpfungsmythen Ägyptens

In dieser unüberschaubaren Anzahl an Gottheiten hatte ich mich bisher nicht zurechtgefunden. Ich wusste mal was vom Osiris-Kult und der Muttergöttin Isis und kannte natürlich die unzähligen Götter in Tiergestalt. But who ist who? 

 

Keine Sorge, ich werde nicht das ägyptische Götter Pantheon beschreiben. Ist auch im Zusammenhang mit der Sonnenscheibe nicht unbedingt notwendig, denn hinter den unzählig vielen Göttern und Göttinnen ist er der eine Hauptgott: Atum.

Atum der ägyptische Schöpfergott

Atum, der grosse Sonnengott, der Ur- und Schöpfergott, verkörpert die untergehende Sonne.

In vielfältiger Weise ist Atum in Malerei, Texten und Dokumenten überliefert. Durch Verschmelzung mit anderen Gottheiten sind weitere Namen entstanden, wie Atum-Re, Re oder Ra, Amun-Re . 

Die rote oder goldene Sonnenscheibe ist das Symbol des Sonnen- und Schöpfergottes Atum. Es heisst, er lebte am Anfang aller Dinge im Urmeer Nun. Aus ihm ist alles erschaffen, aus ihm gingen die Götter hervor, aus seinen Gedanken wurden Himmel, Erde, Menschen, Tiere, Pflanzen gemacht. Und aus ihm geht auch der zentrale Familienkreis der Göttergeschichte hervor: Osiris und Iris, als Ur-Eltern mit Horus, ihrem Sohn, dem Himmelsgott.

 

 

 

(Mein Buchtipp für ein gutes Verständnis der ägyptischen Mythologie und Schöpfungsgeschichte: Götter am Nil. Ägyptische Mythologie für Einsteiger von Garry J. Shaw, 2014. - hochinteressant und erfrischend erzählt. Und dieser Link führt dich zu einer super guten Kurz-Zusammenfassung der ägyptischen Schöpfungsgeschichte).


Atum als Skarabäus, Chepre wälzt am Morgen langsam

den großen Sonnenball über den Horizont

Re wird mit Atum gleichgesetzt und symbolisiert die untergehende rote Sonne im Westen. Er ist der Sonnengott mit Falkenkopf.


Die Tages- und Nachtfahrt des Sonnengotts Atum

Atum manifestiert sich in einer Vielzahl von Gestalten: Als menschliche Person mit der Doppelkrone Unter- und Oberägyptens, mit den Attributen des Anch-Zeichens für Ewigkeit und dem Zepter oder er ist in Tiergestalten, des Stiers, Widders, der Echse, des Phönix oder des Skarabäus dargestellt.

 

Am Morgen, bei Sonnenaufgang war Atum der Mistkäfer Skarabäus, Chepre und wälzte langsam den großen Sonnenball über den Horizont. Mittags war er Re die mächtigste Verkörperung des Sonnengottes und am Abend war er der widderköpfiger Atum, bereit auf der Sonnenbarke unter den Horizont ins Jenseitsreich Duat zu fahren und seine Energie für den kommenden Morgen aufzuladen.

Das war allerdings keine leichte Aufgabe und Spazierfahrt: Jede Nacht wurde der Sonnengott von der Monsterschlange Apophis angefallen. Apophis repräsentierte die Unordnung und war Anführer der Chaos-Mächte. Apophis musste von Re und seinen Leuten auf der Sonnenbarke abgewendet werden, damit Ordnung in der Welt und der Sonnenaufgang garantiert war. 

Um die Verwirrung komplett zu machen... Es gibt auch noch Aton. Er ist das reine Symbol der Sonne als Gestirn und wird unter Echnaton zum einzigen Gott erhoben.

Aton wurde als rote oder goldene Scheibe dargestellt. Oft gehen von ihm Strahlen aus, die in Händen enden.

 

Bildbeschreibung

Echnaton (Amenophis IV.), ägypt. König; 1364 – 1347 v. Chr.

Die königliche Familie opfert dem Gott Aton. Ägyptisch, Neues Reich, 18. Dynastie, Flachrelief. Kalkstein, H. 53 cm, Br. 48 cm, T. 8 cm. Fundort: Tell el-Amarna, Kammer des Königsgrabs. 

Isis, Horus und die Sonnenscheibe

Gottheiten in Kombination mit der Sonnenscheibe nehmen immer Bezug auf ihre solare Göttlichkeit und Abstammung. Das ist der Grund, warum auch Isis häufig mit der Sonnenscheibe dargestellt wurde. Sie war die Frau von Osiris und die Mutter von Horus dem Himmelsgott. Horus wurde wiederum in vielfältiger Art dargestellt, oft als Falke oder als falkenköpfiger Himmelsgott.


Die häufige Darstellung an Wandmalereien und Statuetten von der stillenden Isis mit dem Horus-Kind auf ihrem Schoss veranschaulicht den Einfluss der ägyptischen Mythologie auf die christliche Religion. Die offensichtliche Vorlage für die Darstellung der Muttergottes mit dem Jesuskind.

Das Auge des Re – das Horusauge - die Sonnenscheibe

Atums einziges Auge repräsentiert den ersten Sonnenaufgang. Es wird in Hinblick auf die Verschmelzung der Gottheiten auch das Auge des Re genannt und ist ein häufiges Zeichen in der ägyptischen Mythologie. Das Auge des Gottes symbolisiert neben der Sonnenscheibe auch den Mond oder Morgenstern. Das Auge handelt als unabhängiger Teil Atums und erscheint in dieser Form als Verkörperung einer Göttin, häufig der Göttinen Hathor, Bastet oder Nut. Das Auge wird auch Horusauge genannt.

Eine weitere häufige Unterform des Sonnengottes ist als Re Herachte bekannt, in der Re und Horus miteinander verbunden und mit dem Aufgang der Sonne im Osten assoziiert werden.

Beide Augen haben eigene Geschichten, die vielfältig und zu lang und komplex sind, um sie hier zusammenzufassen. Es lohnt sich sie nachzulesen. Ganz knapp gesagt:

Die Augen sind eigenständig. Das Auge des Re symbolisiert die Sonnenscheibe des Sonnengottes und ist aus der Sicht des Gottes das linke Auge. Das Horus-Auge ist aus der Sicht des Gottes das rechte Auge. Es kann Mond oder Sonne symbolisieren. Den Augen bleibt nichts verborgen. Sie sind „alleserschauend“, "allwissend" und "beschützend". 

Die Göttin Hathor ist auch das Auge des Re und wurde in Menschengestalt oder als Kuh mit Kuhhörnern dargestellt. Sie ist die Göttin des Tanzes, der Liebe und der Schönheit.


....damit ist die ägyptische Mythologie zwar bei weitem nicht erschöpft, so doch im Hinblick auf die Sonnengottheiten grob umrissen. 


Surya - das Prinzip Sonne in vedischer Glaubenslehre

Nicht nur in Ägypten, Mesopotamien und Griechenland war die Sonne eine Gottheit. Auch in vedischer Zeit Indiens, 1500 v. Chr. – 600 v. Chr. In den Veden, der heiligen Lehre, einer Sammlung religiöser Texte des Hinduismus, gilt Surya als eine der Hauptgottheiten. Surya ist die Sonne, Sonnengott, Mutter Sonne, das strahlend Gute, das Licht und die Lebensenergie.

 

Doch anders als in der ägyptischen Mythologie entspricht Surya nicht dem Objekt Sonne, sondern dem Prinzip Sonne. So wie die Sonne der Mittelpunkt unseres äusseren Sonnensystems ist, so ist das höchste Selbst Atman. Und Surya ist Symbol für Atman und zugleich Heilenergie und Lebensenergie (Prana).  

Der bekannte Sonnengruss im Hatha Yoga ist das Sonnengebet (Suria Namaskar) mit dessen Übungen der Mensch sich auf die Kraft der Sonne Surya einstimmt.

Surya lenkt den göttlichen Himmelswagen, der von sieben Pferden gezogen wird.

Die sieben Pferden stehen für die sieben Tage der Woche. In seinen Händen hält er zwei Lotosblumen oder Sonnenscheiben.

Die Veden bestehen aus vier Büchern, eines davon ist die Rigveda. Darin wird Surya auch als «Auge des Himmels» beschrieben und als Auge des Mitra, des Varuna und des Agni.

 

Das Motiv der Gottheit im Himmelswagens von Pferden gezogen, ähnelt Helios aus der griechischen Mythologie und dem Himmelswagen von Trundholm.

Er spendet Licht und Wärme, ist Ursache für Tag und Nacht.

Bildbeschreibung:

Surya, indisches Relief aus Uttar Pradesh, mittelalterlich.

Surya auf seinem von sieben Pferden gezogenen Wagen. Relief, Stein.

Mathura, Government Museum. agk1350421


Das Gayatri Mantra zur Verehrung der göttlichen Mutter

Savitri oder Savita ist die Gemahlin von Surya, der Sonne. Sie ist die Morgensonne, die Strahlende, die Leuchtende, die Energie und das Leuchten von Surya.

Das Gayatri Mantra, die Anrufung der göttlichen Mutter Savitri ist die Anrufung des göttlichen Lichts, das mit dem Gayatri Mantra praktiziert wird. Es ist das allumfassende Gebet, Verse des Rigveda, das in den Veden, den ältesten Schriften der Menschheit, lange Zeit mündlich, dann schriftlich überliefert ist. Es heisst, das Gayatri zu singen und zu hören, beruhigt und reinigt den unruhigen Geist des Suchenden.

 

Du findest das Gayatri Mantra im Internet in vielfältiger Weise. Besonders gefällt mir die Version gesungen von Deva Premal. Und die ebenso schöne Version von Lex van Sommeren.

Der Text des Gayatri Mantras mit Übersetzung zum Mitsingen 

 

Om bhûr bhuvah svah              - die grobstoffliche Welt, die feinstoffliche Welt, die Kausalwelt

Tat savitur verenyam                - das wahre Sein, das göttliche Licht, das Verehrungswürdige

Bhargo devasya dhimahi          - der Glanz des Göttlichen – Meditation

Dhiyo yo nah prachodayât       - möge das göttliche Licht unseren heiligen Geist erleuchten!

 

Nach Sai Baba ist dieses Gebet an die göttliche Mutter gerichtet mit der Bitte:

«Oh göttliche Mutter, unsere Herzen sind von Dunkelheit erfüllt. Bitte nimm diese Dunkelheit von uns und erhelle unseren Geist.»

Hier findest du mehr Inspiration zur Sonne, ¨zur Sonnensymbolik oder zur spirituellen Sonne.

 

Ich wünsche dir viel Spass beim Singen, Zuhören und Weiterlesen. Mit ganz lieben Grüssen,

 

Julia Bigler

 

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