Goldscheibe - Sonnenscheibe - Sonnensymbolik

Die Symbolik und Bedeutung der Sonne ist uralt, vielfältig und umfasst Themenbereiche der Mythologie, der Religion, der Kunstgeschichte, der Spiritualität, der Astrologie, der Astronomie, bis hin zur Weltraumforschung.

In diesem Blog trage ich verschiedene Gedanken zur Sonnensymbolik zusammen.

Die goldene Sonne - ein universelles Ereignis.

 

Thema: Sonnensymbolik


Der Kreis - universelles Sonnensymbol

Künstlerische Artefakte zur Darstellung der Sonne und ihrer Gottheiten haben sich aus allen Zeiten von überall auf der Welt bis heute erhalten: Steinritzungen, Observatorien, Tempelruinen, Schrifttafeln, Sarkophage, Grabbeigaben, Stelen, Reliefs, Buchmalereien, Rosettenfenster, Heiligenscheine… allesamt Zeugnisse der Sonnenverehrung. So vielfältig die ¨überlieferten Objekte und Texte der verschiedenen Kulturen im Laufe der Jahrtausende auch sind, die Darstellung der Sonnensymbolik ist immer gleich: 

Einfache Sonnensymbole sind der Kreis, die Scheibe, das Rad

Die Sonne nehmen wir am Himmel als Sonnenscheibe war, nicht als räumlich-plastischen Himmelskörper, wie den Mond. So zählen die kreisrunde Scheibe und das Rad, der Kreis mit Mittelpunkt oder mit Speichen- oder Doppelkreuz zu den zentralen charakteristischen Darstellungsformen der Sonne. Es sind universell verbreitete solare Bilder und sie repräsentieren allgemein eine zyklische Weltanschauung.

 

Zwar scheinen Symbole in unserem modernen Leben keinen Stellenwert mehr zu haben, doch ich bin überzeugt, dass wir unbewusst eine Vielzahl an archetypischen Zeichen noch immer kennen und lesen können.

Die runde Form ist Urbild der Ganzheit

Die Darstellung der Sonne in Kunst und Kultur ist stets Ausdruck göttlicher Lichtmetapher

Bereits an frühen französischen Höhlenmalereien ist die Sonne als gelber Kreis bildlich dargestellt. Kreise mit oder ohne Mittelkreuz finden sich auch an den prähistorischen Felsritzungen von Tanum, Bohuslän in Südschweden, ca. 1700 – 300 v. Chr. und in Arizona und zeugen von der Bedeutung und Beachtung, die Menschen dem Leben spendenden Himmelsgestirn widmeten. In Kreisform aus Monolithen oder Holzpfosten sind auch die Sonnenobservatorien in England (Stonehenge) und Deutschland (Pömmelte) angelegt. So wie der Kreis ist auch das Kreuz eines der ältesten Zeichen überhaupt und  schon in steinzeitlichen Ritzzeichnungen überliefert. In der christlichen Religion steht es für die Erlösung der Menschheit von Leid und Tod durch Jesu Christi. Aber auch in anderen Kulturen und Glaubensrichtungen symbolisiert der horizontale Kreuz-Balken die Verbindung zwischen den Menschen, der vertikale Balken die Verbindung zwischen Gott und den Menschen.

Der Kreis

Der Kreis mit einem Mittelpunkt ist das alchemistische Zeichen für das Edelmetall Gold und gleichzeitig für die Sonne. 

 

Unsere noch heute gebräuchliche Verwendung der Planeten-Zeichen, einschliesslich Sonne und Mond, stammen aus der griechisch-römischen Astronomie und Astrologie und gehen bereits auf die ägyptischen Alchemisten zurück, die den Planeten auch Metalle zuordneten. Das solare Symbol für Sol, die Sonne, ist dasselbe Symbol, wie für aurum metallicum, für das Edelmetall Gold. 

 

Darum steht auch in altägyptischen Hieroglyphen der Kreis mit dem Mittelpunkt als Zeichen für die Sonne und für den Sonnengott Re.

Der Punkt ist in diesem Zusammenhang sehr interessant, denn er ist die kleinste runde Form. Für Alchemisten gilt der Punkt als das einfachste Symbol der Ganzheit und daher auch als einfachstes Gottesbild. Der Punkt wird im Sanskrit, der Altindischen Sprache, Bindu genannt und gilt als der ruhige Ort inmitten der Vielfalt des Lebens, als das kleinste und erste Zeichen, als Bild der Unendlichkeit, als Quell aller Dinge. Bindu ist die kreative Kraft im Kosmos.

Die Scheibe

Der ausgefüllte Kreis, die rot gemalte oder vergoldete Scheibe galt den alten Ägyptern als Sonnengott selbst. Sie kann für sich stehen, oder die Gottheiten wurden mit der Sonnenscheibe als Attribut gekennzeichnet, beispielsweise die rote oder goldene Sonnenscheibe auf dem Kopf des ägyptischen Sonnengottes Re, die goldene Scheibe zwischen den Kuhhörnern der Isis, den Stierhörnern von Horus-Harachte oder am Kopf des Skarabeus-Käfers. 

Das Rad

Auch das Rad kann Sonnensymbol sein. Dann verkörpert es die Einheit und den Lauf der Dinge, den ewigen Fluss der Wandlung, wie beispielsweise auch das schamanische Medizinrad. 

Die tägliche Bewegung der Sonne von Ost nach West stellten sich die Menschen als „Sonnenwagen“ vor. Das Speichenrad leitet sich vom Sonnenwagen ab. 


Ein faszinierendes Beispiel für die Vorstellung, dass die Sonne über den Himmel fährt ist der von einem Pferd gezogene Sonnenwagen von Trundholm, 1700 v. Chr. aus der nordischen Bronzezeit.

Die Gottheit Belenus aus dem keltischen Mythos, die indische Sonnengottheit Surya oder der griechische Sonnengott Helios, führen auch die Sonne täglich über den Himmel. Bei ihnen handelt es sich um überlieferte und personifizierte Licht- Heils- und Sonnengottheiten.

Abbildungen:

1. Sonnenwagen von Trundholm, ca. 1700 v. Chr.

2. Helios in seinem Sonnenwagen, der von vier Pferden gezogen wird.

3. Surya, indischer Sonnengottheit, die von sieben Pferden in einem Wagen geführt wird.

Das Sonnenrad mit acht Achsen, die ebenso als Sonnenstrahlen gedeutet werden, symbolisiert den babylonischen Himmels- und Sonnengott Schamach.

Bildbeschreibung: 

Sonnengott Schamasch, Flachrelief, Babylon, 9. Jh. v. Chr.

– Der Sonnengott Schamasch und drei Adoranten. Sein Symbol, die Sonnenscheibe, erscheint auf dem Altar. Diese Tafel wurde gestiftet von einem babylonischen König des 9. Jh. v. Chr., der den Tempel des Schamasch in Sippar erneuerte. Abguß der originalen Negativform. Istanbul, Archäologisches Museum. agk53674


Die geflügelte Sonne ist ebenfalls ein häufiges Sonnensymbol. In ihm ist die Sonne mit einem Falken oder Adler verbunden, so beispielsweise bei Mithra, dem Sonnengott in der iranischen Mythologie.



Das Runde - das Eine, das Ganze

Mit der Form des Kreises und des Runden sind auch die Rosette und das Mandala der Sonnensymbolik verwandte Zeichen. Die Rosette als Kirchenfenster in den romanischen und gotischen Kirchen wird mit der Muttergottes in Verbindung gesetzt.

Das chinesische Yin Yang Zeichen ist zwar kein Sonnensymbol, sondern es steht für die zwei entgegengesetzten Kräfte, die miteinander im Einklang stehen (Himmel & Erde, Ebbe & Flut, Frau & Mann etc..). Dieser Einklang des Zeichens, die Ausgewogenheit der Polarität und das Spiel der Form und Farbe findet im Kreis statt - im Einen, im Ganzen.

Zur Bedeutung von Symbolik und archetypischer Bilderwelt

Die Kreissymbolik, Sonne, Rad, Punkt… sind also seit Urzeiten bekannt und wurden als Sinnbilder von den Menschen verstanden. Ganz selbstverständlich. Es gab ja zunächst keine Schrift, aber Zeichen gab es schon immer. Noch in der nachchristlichen Zeit waren die meisten Menschen Analphabeten. Der Bildersprache kam also eine weit grössere Bedeutung zu als heute und sie wurde universell verstanden. In unserer modernen Welt, die von technologischer Entwicklung und exakten Wissenschaften geprägt ist, dürfen wir uns wieder mehr an die Symbolsprache erinnern.

Nach C. G. Jungs tiefenpsychologischem Konzept entsprechen Archetypen sogar zentralen kollektiven Ur-Erfahrungen der Menschheit. Dazu zählt neben dem Weiblichen und dem Männlichen auch die Sonne. Sie sind damit unbewusst in unserer Psyche abgespeichert und erschliessen sich uns im Traum, der Vision, Mythen, Märchen und in der Kunst.

Bedeutungsunterschiede von Symbolen an den Beispielen Schlange und Swastika

Jedes Symbol oder Zeichen kann auch mehrere oder unterschiedliche Bedeutungen besitzen. Oder der Deutungsinhalt kann sich im Laufe der Zeit durch Religion oder durch politische Einflussnahme ändern. Die unterschiedliche Interpretation und Sinngebung von Symbolen zeigt die Schlange. In manchen Mythologien steht sie für das Böse, in anderen symbolisiert sie das Gute. 

In der Bibel verkörpert die Schlange das Böse, die Sünde und die Versuchung. In der ägyptischen Mythologie lebt die feuerspeiende Apophisschlange in der Unterwelt und ist Gegenspieler des Sonnengottes.

 

Gleichzeitig galt die giftige Kobra und Viper bei den alten Ägyptern als ein mächtiges Wesen, zum Symbol des Göttlichen sowie Königlichen. Sie war das Schutzsymbol für den König.

 

Der Uroborus ist die sich in den Schwanz beissende Schlange. Er ist Symbol des Ursprungs und der Ewigkeit und ein ägyptisch-alchemistisches Zeichen für die sich wandelnde Materie.


Ein Beispiel regelrechten Missbrauchs bei der Verwendung eines Symbols ist die Swastika, das Hakenkreuz. Sie sei hier erwähnt, weil sie ihrem Ursprung nach ebenfalls ein Sonnensymbol ist.

Sie wurde von der faschistisch-antisemitischen Diktatur Hitlers benutzt, um ihre Allmachtstellung zu demonstrieren und unter diesem Zeichen Greueltaten zu verüben. So wurde die Swastika, ein noch heute in Asien altehrwürdiges Emblem der Freude, des Friedens, des schöpferischen Geistes, entwürdigt - durch totalitären Machtmissbrauch und menschenverachtende Grausamkeit.

Sie war ein sakrales Zeichen und dem Sonnenrad verwandt und symbolisierte auch die Wiedergeburt. Auch sie geht aus dem Sonnenrad hervor. Im Asiatischen Raum hat sie die Bedeutung als sakrales Zeichen bewahrt und symbolisiert auch die Wiedergeburt. Dagegen stellt ihr Gebrauch in westlichen Ländern noch heute die Verbindung zum Faschismus her.

Das Sonnensymbol legitimiert Herrschaftsanspruch

Viele Herrscher, römische Kaiser und Könige bedienten sich gern der Attribute und Zeichen für die Sonne um ihre Herrschaftsansprüche zu legitimieren. Das zeigt eindrücklich der Sonnenkult im römischen Reich. In der antiken römischen Mythologie war Sol der Sonnengott und hatte als Sonnenkult seit der Stadtgründung Roms durch Romulus ( 753 v. Chr.) Bestand. Im 2. Jahrhundert wuchs seine Bedeutung und er wurde zu Sol Invictus (unbesiegter oder unbesiegbarer Sonnengott). In Charakteristik und Darstellung gleicht Sol dem griechischen Helios mit Strahlenkrone und Pferden. Die römischen Herrscher machten Sol Invictus zum persönlichen Schutzgott.

 

Auf römischen Münzfunden des Kaisers Trajan (römischer Kaiser von 98-117), ist Sol Invictus abgebildet und Konstantin der Grosse (306-337) liess sich sogar selbst als Sol Invictus auf Münzen darstellen. Unter Aurelius (Kaiser von 270-275) wurde er zu Sol Invictus Mitra. Mitra oder Mithra ist mythologisch der personifizierte Sonnengott der iranischen Mythologie. Allerdings gibt es in beiden Verehrungskulten offenbar grosse Unterscheide, so dass sich die Forschung bis heute nicht einig ist, wie der römische Mithraskult entstanden ist.

Mit der Selbsternennung Ludwig des 14. (1638-1715) zum Sonnenkönig stellte er einen Bezug zum alleinigen Herrscher her. Und August der Starke, König von Polen und Kurfürst von Sachsen eiferte diesem Sonnenrepräsentanten nach und liess sich 1709 von J.M. Dinglinger eine Sonnenmaske anfertigen um ebenfalls seine Herrlichkeit zu demonstrieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung aus dem Buch Mythos Gold. 6000 Jahre Kulturgeschichte, von Hans-Gert Bachmann, 2006.

Die Sonnenmaske Augusts II, der Starke, König von Polen und Kurfürst von Sachsen (1670-1733).


Ja, die Sonne erzählt viele Geschichten. Ihre Kraft und Grösse ist für uns fast nicht vorstellbar. 

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