Pappmaché

Papier ist ein faszinierender Recyclewerkstoff und eignet sich perfekt für einfache Gestaltungen UND für künstlerische Projekte. Pappmaché ist ein zeitloser Klassiker unter den kreativen Materialien.

 

Hier findest du eine Anleitung für Schalen aus Pappmaché, Kleisterrezepte und Tipps für unterschiedliche Oberflächengestaltungen mit Grundierung, Acrylfarbe und Schlagmetall.


Papiermaché, Pappmaschee, Cartapesta, Paperpulp

Egal, wie du es nennst -  dieses Material ist genial! 

Du hast bestimmt schon mal mit Pappmaché gekleistert – aber vielleicht schon lange nicht mehr?

Ich auch nicht, doch ich bin vollauf begeistert von dieser wiederentdeckten Gestaltungsmöglichkeit. Pappmaché ist ein alt bekannter Werkstoff, der sich vielfältig für formgebende Techniken eignet.

 

Ist doch so banal, willst du sagen? Ja und Nein.

 

Ja, es ist banal, weil sich Papiermacheé so herrlich einfach herstellen lässt, wir sofort damit beginnen können, das Material zu Hause haben, weil es Spass macht mit der breiartigen Kleisterpampe zu hantieren und weil wir es schon als Kinder gemacht haben.

 

Nein, es ist überhaupt nicht banal, weil sich aus dieser genialen Materialtechnik schier unerschöpfliche Möglichkeiten der Umsetzung bieten. Der Werkstoff ist leicht, billig, einfach herzustellen, zugfest, immer verfügbar, ungiftig, erlaubt die Bearbeitung, Oberflächenbeschichtung- und Veredelung, die Bemalung, Vergoldung, vielseitig nutzbar… – kurz:

Papiermaché und Paperpulp eignen sich ideal zum kreativen Gestalten verschiedenster Objekte: für Skulpturen, Installationen, Schalen, Designobjekte, Reliefs, Masken...

Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Schritt für Schritt – Schicht um Schicht wird mit Papier und Kleister geklebt..

Das Beste: Die Grundmaterialien haben wir immer im Haus! 

 

Papier und Kleister

Ideen kommen beim Tun


Ich wollte diese altbekannte Werktechnik wieder ausprobieren. Dabei sind Schalen entstanden und viele neue Ideen für Kunstprojekte. 


Material für Papiermaché: Papier und Kleister

Es kann jede Art Papier verwendet werden: Altpapier, Zeitungen, Journale, Seidenpapiere, Kopierpapiere (alle alten Rechnungen könnten auf diese Art verarbeitet werden ;) 

 

Als Kleister eignet sich zum kalten Anrühren herkömmlicher handelsüblicher Tapetenkleister. Wunderbar funktionieren auch selbstgekochte Mehlkleister aus Weizen- oder Roggenmehl oder Stärkekleister aus Kartoffel-, Weizen-, Mais- oder Reisstärke.

 

Rezepte für Kleister

Tapetenkleister

Tapetenkleister sind meist synthetische Stärkekleister, aus Celluloseether hergestellt. Sie lassen sich einfach mit kaltem Wasser und Schneebesen anrühren. Die Mischverhältnisse können je nach Firma variieren, meist sind es 1 Teil Kleisterpulver auf 9 Teile Wasser.

 

Die Schalen habe ich übrigens mit Tapetenkleister gestaltet. Allerdings hätten sich die Schalen mit Weizenstärkekleister vermutlich weniger verformt.

Mehlkleister

In einen Kochtopf 500 ml kaltes Wasser geben und 150 g Mehl mit dem Schneebesen einrühren. Die Masse kurz aufkochen lassen bis sich eine kleisterartige Konsistenz ergibt. Dabei stets rühren, sonst gibt es Klümpchen. Eventuell etwas Wasser nachgiessen. Wenn der Mehlkleister abgekühlt ist, kann er verwendet werden. 

Stärkekleister

Je nach Pflanze gibt es verschiedene Stärkearten wie Kartoffel-, Weizen-, Mais- oder Reisstärke. Sie können alle verwendet werden. Dafür 500 ml kaltes Wasser in einen Kochtopf geben. Einen kleinen Teil des Wassers abnehmen und

4 EL Speisestärke damit verrühren. Den Rest des Wassers aufkochen und die Wasser-Speisestärke-Masse hinzugeben.

Alles gut mit dem Schneebesen vermengen und auf kleiner Flamme kochen, bis eine geelartige Konsistenz entsteht -möglichst klümpchenfrei. Nach dem Erkalten ist der Stärkekleister anwendungsbereit.

 

Dieser Kleister eignet sich besonders gut für Pappmaché, weil er mit geringerer Spannung als herkömmlicher Tapetenkleister auftrocknet und sich die Objekte dadurch weniger verformen.  


Schalen aus Papiermaché formen

Hier findest du Beispiele für das Gestalten von Schalen und Teelichtern, die grundiert, mit Acrylfarbe bemalt, mit Schlagmetall vergoldet oder mit eigenen Texten beklebt werden können. 

Im ersten Beispiel werden Luftballons beklebt, also das Papier über die Form aufgebaut. Im zweiten Beispiel werden die Schalen gestaltet, indem Papier in die Form geschichtet wird.

 

Als Werkstatt eignet sich am besten die Küche und die kältere Jahreszeit ist ideal, weil die Objekte durch die trockene Luft schneller trocken. Zugegeben, es braucht etwas Zeit und ist nicht  schnell mal eben gemacht. Die Trockenzeiten sind wichtig, damit die Objekte formstabil bleiben und bemalt werden können. 

1. Papiermaché und Luftballons

Du kennst sicher noch die Technik Papierfetzen mit Kleister um Luftballons zu kleben? Genau das ist das Vorgehen bei allen folgenden Beispielen. 

So wird's gemacht:

  • Kleister anrühren oder kochen, Luftballons in Gläser stellen.
  • Mit dem Kleister die Oberfläche des Luftballons mit den Händen einreiben oder mit dem Pinsel einstreichen.
  • Von der Mitte aus Papierschnipsel um Papierschnipsel geschichtet übereinander kleben. Mit reichlich Kleister die einzelnen Papierfetzen gut aufeinander andrücken und anreiben.
  • Nach dem Trocknen, den Luftballon einstechen und die die Form abnehmen.

Je mehr Papierlagen geklebt werden, umso stabiler wird die Schale.

Diese Schälchen brauchten eine Trocknungszeit an der Heizung von 8 Stunden. 

Tipp: Es ist auch unbedingt einen Versuch wert, mal ganz dünne Schalen aus wenig Lagen Papier herzustellen. Dabei entstehen wunderschöne filigrane Objekte!)

Die Ränder können mit der Schere beschnitten oder die Form korrigiert werden. Das linke Schälchen behält den unbeschnittenen Rand.

Die Oberfläche der Schale kann papiersichtig bleiben, oder farblich weiterbearbeitet werden. Als Grundierung der Form eignet sich ein Anstrich mit Gesso oder Acrylfarbe. Gesso ist eine weisse Grundiermasse, die eher matt auftrocknet. Acrylfarbe hat nach dem Trocknen einen Seidenglanz.

 

In meinen Beispielen habe ich jeweils weisse Grundierung verwendet und darauf mit Acrylfarben gemalt.

2. Stabile Schalen aus Papiermaché

Um grosse Schalen zu kleben eignen sich flache Formen, die mit einer Trennschicht bestrichen und nach obigem Vorgehen geklebt werden. Als Trennschicht eignet sich Vaseline oder fetthaltige Creme. Um stabile Schalen zu kleistern sollten reichlich Papierschichten aufgeklebt und geschichtet werden. Die Trocknungszeit kann ca. 2-3 Tage betragen!

Wenn die Papiermaché-Schale aus der Form gelöst wird ist Fingespitzengefühl gefragt. Eventuell Hilfswerkzeuge, z. Bsp. ein langes elastisches Messer verwenden, falls es anhaftende Bereiche gibt. Sollte dir das passieren, bitte nicht aufgeben, denn die Oberfläche oder mögliche Löcher können nach der Abnahme wieder mit Papiermaché geschlossen werden.


Die Oberflächengestaltung von Pappmaché

Stimmungsvolle Lichtschalen aus Pappmaché

Materialien und Techniken für die Gestaltung und Weiterbearbeitung von Papiermaché sind vielfältig. Bei meinen kleinen Luftballon-Schälchen habe ich

a) Acrylfarbe für die Malerei verwendet,

b) eine Innenseite mit Schlagmetall vergoldet und

c) eine Schale mit einem selbstgeschriebenen und ausgedruckten Text überklebt.


a) Bemalung von Papiermaché mit Acrylfarbe

Die mit Gesso grundierte Schale aus Papiermaché kann mit jeder Farbe angestrichen werden. Acrylfarbe eignet sich gut, wenn das Schälchen angefasst und als Teelicht zum Gebrauchsgegenstand wird. Für reine Zierschälchen kannst du auch Aquarellfarbe und Gouache verwenden. Diese Farbsysteme bleiben wasserlöslich und könnten bei Bedarf abschliessend mit einem Klarlack überzogen werden.

Die runde Form der Schalen regt zur Gestaltung und Malerei von Rosetten, Ornamenten oder Mandals an.

b) Vergoldung der Papiermaché-Schale mit Schlagmetall

Das zweite Luftballon-Schälchen ist innen mit Schlagmetall und Schnellanlegemixtion vergoldet.

 

Schlagmetall ist eine sehr dünne Aluminiumfolie. Es gibt sie, je nach Legierung in Silber, Gold oder Kupfer.

 

Das Material ist sehr günstig und nicht zu vergleichen mit echtem Blattgold – ABER für dekorative Gestaltungen eignet es sich hervorragend! 

 

Die Handhabung von Schlagmetall ist denkbar einfach. Ich habe auch mal ein kleines Tutorial-Video zur Vergoldung mit Schlagmetall gemacht.


Das Klebemittel für diese Vergoldung heisst Schnellanlegemixtion (auch Schnellöl, Anlegemilch o.ä genannt). Es ist ein wasserlösliches Acrylat, das auf die zu vergoldende Oberfläche, dünn aufgestrichen wird und nach ca. 20 Minuten bereits vergoldet werden kann. Im Gegensatz zu echtem Blattgold braucht es kein spezielles Werkzeug, nur einen Pinsel zum Aufstreichen des Klebemittels und einen weichen Pinsel (oder Samt!) zum Andrücken der Goldfolie an die Oberfläche. Die Pinsel sofort nach gebrauch mit Wasser auswaschen, sonst sind sie verklebt. Finger dürfen bei der Vergoldung mit Schlagmetall auch benutzt werden. Das ist bei echtem Blattgold unmöglich.


Mit Pappmaché und Paperpulp Objekte formen

Paperpulp hat sich als die Bezeichnung für das fein pürierte Pappiermaché durchgesetzt. Dieser vielseitig einsetzbare Werkstoff hat eine jahrhundertealte Tradition. Bestimmt kennst du die bemalten Lackschachteln – wusstest du, dass sie auch aus Papier und Kleister hergestellt sind? Mehr zu den den gestalterischen Möglichkeiten mit Paperpulp/Cartapesta findest du bald hier im Blog.



Symbolische Bedeutung der Schale

Die Symbolik hinter den Dingen unserer Welt interessiert mich. Dieses kulturhistorische Interesse spiegelt sich in meinen Bildern und in den Anregungen meiner kreativen Inspirationen in diesem Blog. Ich mag nicht einfach nur irgendwas Basteln. 

Mich interessiert die symbolische Kraft und Bedeutung der Dinge die uns umgeben, die Formen und Elemente. Natürlich kommt auch der Schale eine Symbolkraft zu:

Sie ist verwandt mit Becher, Kelch und Gefäss und gehört somit zur Symbolik der Weiblichkeit.

Allesamt Sinnbilder und Aspekte des Enthaltens, des Erhaltens, des Nährens und der Weisheit. Ihrem Wesen nach ist die Schale mit der Gefäßsymbolik verbunden und kann gar als großer Urschoß der Muttergöttin verstanden werden. Ist das nicht wunderschön?

 

Diese Goldschale ist übrigens nicht mit Pappmaché hergestellt, sondern aus Gipsbinden. Das Prinzip ist dasselbe. Das Innere habe ich echtem Blattgold vergoldet.


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Ideen kommen beim Tun! 

In diesem Sinne und mit ganz lieben Grüssen an dich,

 Julia Bigler

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