Schwarz auf Weiss

Alles Dada auf unserem Planeten...

Hast du zu viel von den täglichen Nachrichten und News? Bist du verwirrt, hilflos, wütend, ratlos, verärgert und traurig über die Entwicklungen im Weltgeschehen? Ich habe eine kreative Idee für dich und mich, wie wir den Humor bewahren und schöpferisch bleiben. Für einmal ohne Pinsel und Farbe: Eine dadaistische Schreiberei Schwarz auf Weiss - gedanklich bunt bis schrill.


Wortsalat - total!

Diese kreative Inspiration ist eine Textspielerei und erinnert natürlich an die Dada-Bewegung, die 1916, vor gut 100 Jahren mit Tristan Tzara, Hans Arp, Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Sophie Taeuber und Richard Huelsenbeck im Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1 in Zürich ihren Anfang nahm. Es waren politisch brisante Zeiten und der 2. Weltkrieg tobte. Wie mutig, dass sich diese Künstlerinnen und Künstler an derartige Aktionen wagten.

 

Der Strategie der Dadaisten folgend kreieren wir völlig bekloppte Texte, und führen bestehende Vorstellungen ad absurdum. 

Ich verspreche dir, deine linke Gehirnhälfte wird jubeln! (Und die Frage kommt auf, ob sich manche Politiker heute derselben Textkreation bedienen.).

 

So geht’s:

Schritt 1: Sätze finden und Substantive unterstreichen

  • Such dir zwei Artikel aus Zeitung, Zeitschrift, Werbeanzeigen oder Passagen aus verschiedenen Büchern, die gerade herumliegen – ganz egal was und schreibe daraus je vier oder fünf Sätze ab. Du kannst den Text in den Computer eingeben oder handschriftlich auf Papier.
  • Dann unterstreichst du jeweils alle Substantive in beiden Texten.

 

Bei mir ist der erste Abschnitt ein Text aus Paul Austers Kurzgeschichte Hinter verschlossenen Türen, der zweite Text ist ein Absatz eines Artikels aus der Zeitschrift Annabelle mit dem Titel Ferien zum Gähnen von Sven Broder. 

Beispieltexte (können auch kürzer sein)

 

Text 1 (Kurzgeschichte von Paul Auster)

Weitere Wochen vergingen. Ich ging jeden Morgen in mein Zimmer, aber nichts geschah. Theoretisch fühlte ich mich inspiriert, und immer wenn ich nicht arbeitete, hatte ich den Kopf voll von Ideen. Doch jedesmal wenn ich mich hinsetzte um etwas zu Papier zu bringen, schienen sich meine Gedanken aufzulösen. Die Worte starben in dem Augenblick, in dem ich die Feder hob. Ich begann mit einer Anzahl von Projekten, aber nichts liess sich wirklich umsetzen und ich gab eines nach dem anderen wieder auf.

 

Text 2 (Artikel von Sven Broder)

Eben. Nein. Der Mann macht besser einen Bogen um die Querelen daheim. Depression, Schlafstörungen, Panikattacken, Burnout, Gemütsschwankungen- 3, 2, 1, hässig! Mann sieht ja, wohin das führt, wenn Frau zu viel Zeit unter Babygeschrei steht. Klar, wir sind das stärkere Geschlecht.

 

Schritt 2: Substantive der Texte austauschen

Nun vertauschst du sämtliche Nomen des ersten mit denen des zweiten Textes. Ich bin hier sehr stur vorgegangen und habe immer der Reihe nach die Substantive ausgetauscht:

 

Text 1 neu

Weitere Mann vergingen. Ich ging jeden Bogen in mein Zimmer, aber nichts geschah. Theoretisch fühlte ich mich inspiriert, und immer wenn ich nicht arbeitete, hatte ich den Querelen voll von Depression. Doch jedesmal wenn ich mich hinsetzte um etwas zu Schlafstörungen zu bringen, schienen sich meine Panikattacken aufzulösen.

 

Text 2 neu:

Eben. Nein. Der Wochen macht besser einen Morgen um die Zimmer daheim. Kopf, Ideen, Papier, Gedanken, Worte - 3, 2, 1, hässig! Mann sieht ja, wohin das führt, wenn Feder zu viel Zeit unter Anzahl steht. Klar, wir sind das stärkere Projekten.

 

Vielleicht findest du das jetzt total bescheuert? Das ist es auch ;)

Schritt 3: feile kreativ am neuen Text

Zum Schluss habe ich mir erlaubt noch den letzten Schliff in den Satzsalat zu bringen und beide Texte miteinander zu verbinden – jetzt ist alles erlaubt: Verben und Adjektive anpassen, Satzzeichen verändern...

 

Mein neuer Text:

Weitere Männer vergingen. Ich lief jenen Bogen in mein Zimmer, aber nichts geschah. Theoretisch fühlte ich mich inspiriert, und immer wenn ich nicht arbeitete, hatte ich die Querelen mit den Depressionen. Doch jedesmal wenn ich mich hinsetzte um etwas über Schlafstörungen zu bringen, schienen sich meine Panikattacken aufzulösen. Eben!

Nein: Die Woche macht besser einen Morgen um die Zimmer daheim. Kopf, Ideen, Papier, Gedanken, Worte - 3, 2, 1, hässlig! Mann sieht ja, wohin das führt, wenn Feder zu viel Zeit hat.

Klar, wir sind das stärkere Projekt!

 

 

Diese kleine kreative Schreibübung befreit, inspiriert und ist leider nicht von mir, sondern ich habe sie in dem schönen Buch von Nick Bantock entdeckt Du bist ein Künstler. Eine inspirierende Reise zu Kreativität und zu sich selbst. Darin sind übrigens noch viele, viele anderer wundervoller Ideen enthalten.

 

Probier‘s doch mal mit aktuellen, politischen Zeitungsausschnitten – ist sehr lustig.

 

Mit wortverrückten Grüssen,

 

 

Julia Bigler 

PS: sollte dir das zu trist sein, dann probier doch die Kritzelbilder aus. Das ist ganz ähnlich nur mit Farbe. Und auch die malerische Variante, die kreative Inspiration von Schwarz-Weiss könnte dir gefallen.

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