Mandalas malen und die innere Mitte finden

Zur Ruhe kommen, sich zentrieren, bewusst sein –

wer will das nicht in dieser stürmischen Zeit?

Hier findest du eine ganz alte und immer wieder fantastische Methode mit der du das praktizieren kannst. Es ist weniger eine Methode, als viel mehr eine rituelle Handlung. Du darfst farbig kreativ sein oder linear reduziert. Auch die Materialien kannst du frei wählen, wie es dir beliebt. Hier findest du ein paar einfache Anregungen zum gleich Ausprobieren und Interessantes rund um das Mandala & Yantra, der Symbolik des Kreises & C. G. Jung.

 

Tauche ein in deine Mitte und geniesse deine Kreativität!


Bedeutung des Mandalas

Auf das Mandala bin ich durch die Beschäftigung mit der Symbolik der vergoldeten Sonnenscheibe aufmerksam geworden. Denn der Begriff Mandala hat seine Wurzeln im Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie «heiliger Kreis».

Du kennst sie sicher, diese farben- und formenprächtigen Gebilde. 

 

Mandalas stammen ursprünglich aus dem tibetischen Buddhismus und werden zu religiösen Riten und Praktiken verwendet. Sie verbreiteten sich von Tibet und Indien in weiten Teilen Ostasiens. Im Hinduismus und Buddhismus werden sie als Hilfsmittel für Meditationspraktiken verwendet und gelten als Abbild des ganzen Universums, der Einheit, der Ganzheit.

Der Aufbau eines Mandalas

Das geometrisch figurale Schaubild des Mandalas bezieht sich mit seiner runden oder quadratischen Form auf einen Mittelpunkt. Dieser mittlere Punkt wird Bindu genannt und kann als göttliches Zentrum verstanden werden. Um den Mittelpunkt und innerhalb des äusseren Kreises können weitere Kreise konzentrisch angeordnet sein. Das Innere des Kreises kann aber auch figürliche Darstellungen - beispielsweise Buddhas - enthalten. 

 

Von der idealen Form des östlichen Mandalas gibt es in westlichen Kulturkreisen viele Abweichungen und eine weniger «strenge» Gliederung des Aufbaus sowie ihres Gebrauchs. Doch auch hier ist die kreisförmige Gestaltung auf ein Zentrum ausgerichtet, das mit geometrischen, floralen (beliebt ist die Lotosblüte) oder auch figürlichen Motiven ausgestaltet ist.

 

Alle Mandalas, ob aus Ost oder West, sind Meditationsbilder und haben eine beruhigende, zentrierende Wirkung auf die Betrachtenden.

Die Kreisform ist Symbol der Ruhe, des zyklischen Lebens, des Werdens und Vergehens, der Einheit und des Göttlichen!

Natürlich kannst du dir das Bild eines Mandalas kaufen oder ausdrucken, es betrachten und damit meditieren.

Du kannst es aber auch selbst kreieren, legen oder malen. Das Schöne beim Mandala ist, dass du es auf allen Untergründen ausführen und mit den verschiedensten Materialien experimentieren kannst – zu Hause, am Strand, im Wald, auf Steinböden…

1. Mandalas kreieren - mit Naturmaterialien

  • Sandmandalas am Strand streuen oder formen,
  • Steine in den Bergen legen
  • Zapfen, Moos, Hölzer und Stöckchen im Wald anordnen 
  • Blütenblätter auf der Wiese oder auf dem Steinboden legen.

Beim täglichen Durchstreifen unseres Gartens habe ich für die Mandalas auf den Steinplatten alte Rosenblätter, Muscheln, grüne Blätter und verblühte Geranienblüten verwendet. Unserem Kater hat es gefallen und er hat sich gleich total entspannt ;) 

Ich empfehle windstille Tage zum Arrangieren von Blütenmandalas! Der Aspekt der Werdens und Vergehens ist in jedem Fall wunderschön zu beobachten. Sie sind nicht für die Ewigkeit gedacht. Es kann sehr interessant sein, welche Tiere dir beim Legen begegnen und wie die Natur mitspielt. 

2. Mandalas malen - Materialien

Die folgenden Inspirationen zur Malerei von Mandalas sollen in erster Linie Spass bereiten und dich ermutigen, wieder zu deinen Farben zu greifen und einfach zu beginnen.

Es müssen keine Kunstwerke entstehen und auch keine traditionellen Konventionen eingehalten werden. Benutze die Farben, die dir zur Verfügung stehen und fang am besten gleich damit an, deine Kreise zu ziehen.

Alle Materialien sind denkbar:

  • Bleistift
  • Kugelschreiber, schwarzer Fineliner, weisser Gel-Pen
  • Aquarellfarben
  • Ölfarben
  • Pastellstifte...

Willst du geometrisch exakte Kreise zeichnen, dann braucht es einen Zirkel oder Gläser in unterschiedlicher Grösse und ein Geodreieck. Hast du das alles nicht, dann male einfach Freihand, so wie in den nächsten vier Beispielen gezeigt. 


3. Mandalas Freihand malen - zum Warmwerden und einfach beginnen!

4. Mandala malen - mit Buntstiften, Ölfarben, Pastellfarben

Besonders reizvoll ist es, alte «Ausschusspapiere» als Malgrund für die Mandalas zu verwenden, also unvollendete Bilder auf diese Weise einfach zu übermalen. Dabei entsteht eine neue Dimension und sie wirken viel interessanter als auf weissem Papier. Ich habe in diesen Beispielen Ausschusspapiere vom Monoprint und von der Marmorierung verwendet.

Ein verbreitetes florales Motiv in Mandalas sind stilisierte Lotosblüten. Die Lotosblüte symbolisiert die spirituelle Wiedergeburt, sie steht für Reinheit des Herzens, Erleuchtung, Weisheit, Erkenntnis und für das weibliche Schöpfungsprinzip.

Finde deine innere Mitte

Ich konnte gar nicht mehr aufhören und habe kleine Mandalas in verschiedenen Techniken auf unterschiedlichen Bildträgern ausprobiert:

  • Buntstifte auf weissem Papier
  • Ölfarbe auf einer alten abgeschliffenen Holztafel
  • Buntstifte auf "Ausschusspapier"
  • Mineralfarben auf Ziegenpergament

5. Ein Mandala malen - mit Mineral- und Pflanzenfarben auf Pergament

Bei den Vorbereitungen zu unserem Workshop Farbenprojekt-Buchmalerei mit Klaus-Peter Schäffel habe ich die Farben vom letzten Jahr hervorgeholt und auch damit gleich ein Mandala auf Pergament gemalt. Malachitgrün, Lapislazuli, Rotholzlack, Sienna und Mennige sind meine Favoriten - bei der Buchmalerei darf natürlich das polierte Blattgold nicht fehlen.

 

Mit selbst hergestellten Farben zu malen ist ein ganz besonderes Vergnügen – einzigartig!

Der nächste Workshop Buchmalerei - Farbenprojekt findet übrigens im September 2020 in meinem Atelier in Bern statt und ist ein Erlebnis für alle, die sich für das alte Wissen zur Farbenherstellung, für Buchmalerei und für die Kulturgeschichtliche von Farben interessieren. 

Das Yantra

Ein Yantra ist ebenfalls, wie das Mandala, ein geometrisch aufgebautes Diagramm, ein Schaubild, das in der Meditationspraxis des Hinduismus und Buddhismus religiöse und spirituelle Bedeutung hat. Im Gegensatz zum Mandala setzen sich Yantras aus bestimmten grafischen Elementen zu Zeichen zusammen.

 

Im Zentrum steht auch hier der Bindu, als Symbol der Vollkommenheit und Ganzheit. Ein Hexagramm aus zwei übereinander gelagerten Dreiecken stellt die Einheit vom Weiblichen und Männlichen dar und repräsentiert die Mutter Natur und das Höhere Selbst. Diese inneren Diagramme können auch über das Hexagramm hinaus weitere komplexe Figuren bilden.

Dreiecke mit der Spitze nach unten versinnbildlichen weibliche Energie, das Wissen und das Element Wasser. Das Dreieck mit der Spitze nach oben bedeutet männliche Kraft und repräsentiert das Element Feuer.
Beide Dreiecke miteinander verbunden bilden das Hexagramm. Es ist Symbol der Vereinigung zweier Gegensätze, der Einheit vom Weiblichen und Männlichen, der unsichtbaren und der sichtbaren Welt. (Übrigens sind es auch alchemistische Symbole und das Hexagramm steht in der Alchemie für die Vereinigung von Feuer und Wasser. Im Davidstern ist es «das Siegel Salomons»).


6. Ein Yantra malen

Ganz begeistert von der wohltuenden Wirkung und der reichen Bedeutung dieser magischen Meditationsbilder habe ich mich auch an das Yantra-Malen gewagt. Allerdings mit einer ganz einfachen Dreiecksform, dem Zeichen des Urweiblichen und der Lotosblüte. Vielleicht ist die Wortschöpfung des Yandalas aus diesem freien kreativen Umgang entstanden...?

 

Die Abbildungen unten sind selbsterklärend:

Ich habe altes Papier vom Monodruck verwendet, mit dem Zirkel Kreise gezogen, den Mittelpunkt des Bindu frei gelassen und alle anderen Kreise mit Lotosblüten gefüllt. Zum Ausmalen habe ich Buntstifte verwendet und auf Konturen mit schwarzem Fineliner verzichtet, weil mir das Weiche so gefällt.

Ja, auch im Yantra ist die Lotosblüte das weibliche Schöpfungsprinzip und das Symbol für den Weg der Erleuchtung. Also ein unverzichtbar wichtiges Element.

Sri Yantra – die Mutter der Yantras

Das Shri oder auch Sri Yantra genannt, gilt als das bedeutendste Yantra, als heiliges Zeichen. Es ist das Diagramm der Göttin Shri und die Bezeichnung für Lakshmi, der indischen Göttin des Glücks, des Wohlstands, des Erfolgs, der Liebe und Schönheit. Alle indischen Göttinen wiederum symbolisieren die weibliche Gottheit Shakti und Shakti heißt vor allem kosmische Energie und Kraft und ist auch eine Bezeichnung der göttlichen Mutter. 

 

Das Shri Yantra ist eine Anordnung von neun sich überlagernden Dreiecken um den Mittelpunkt Bindu (göttlicher Ursprung):

fünf nach unten zeigende Dreiecke repräsentieren Shakti, das weibliche Prinzip und vier aufrechte Dreiecke stellen Shiva, das männliche Prinzip dar. Diese neun ineinandergreifenden Dreiecke bilden insgesamt dreiundvierzig kleine Dreiecke.

 

Das innere Diagramm wird von einem oder zwei Kreisen mit Lotusblüten umgeben und repräsentiert die Erde. Dieses Shri Yantra kann in einem Quadrat stehen oder als eigenständiges Zeichen.

 

An das Malen dieses Zeichens habe ich mich noch nicht getraut. Doch gerade, als ich an diesem Blog schrieb, kam eine liebe Freundin spontan zu Besuch und was trug sie um den Hals und auf dem Herzen? Na klar... Das Sri Yantra und ich durfte es für dich fotografieren - Danke liebe Christina! Welch schöner Zufall...!



C. G. Jung und Mandalas

Das Verständnis des Runden und das «Rote Buch» von C. G. Jung

Wer sich für intuitive Malerei, Maltherapie und innere Bilder interessiert und sich mit Mandalas und mit der Symbolik des Runden und des Kreises befasst, wird unweigerlich auf die Schriften des Schweizer Tiefenpsychologen C. G. Jung (1875-19619) aufmerksam. Jung begründete die Analytische Psychologie, in der das Unbewusste, Symbole und Archetypen von grösster Bedeutung und Erkenntnis sind.

Seine Schriften sind eine reiche Quelle für das Verständnis von Symbolen und mythologischen Bildern.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts führte er Mandalas in seine therapeutische Arbeit zur Erforschung des Unbewussten ein. Dadurch wurden sie auch im westlichen Kulturraum bekannt und geschätzt. Er malte auch selbst Mandalas.

Nach Jung ist der Kreis eine innere Erfahrung des Runden, ein archetypisches Bild und ein Symbol der Ganzheit.

Er motivierte seine PatientInnen dazu, innerhalb der geschlossenen Kreisfläche ihre in der Therapie gemachten Erfahrungen, Erkenntnisse und Bilder zu malen. Die Beschäftigung mit inneren Bildern bedeutete für Jung eine Auseinandersetzung mit dem Kollektiven Unbewussten, dem Symbole und Mythen eigen sind. Seine «Selbstexperimente» mit inneren Bildern, Fantasien und Träumen, die er in Trancezuständen erforschte, dokumentierte er literarisch und malte sie.

 

Diese, von 1914 bis 1930 verfassten Texte übertrug er kalligrafisch in ein in rotes Leder gebundenes Buch und ergänzte sie mit farbigen Illustrationen. 


Es ist das «Rote Buch», das erst 2009 in New York erstmals öffentlich ausgestellt und im selben Jahr im Patmos Verlag unter der Leitung von Prof. Sonu Shamdasani veröffentlicht wurde. Eine weitere Ausstellung hat es 2010 im Museum Rietberg in Zürich gegeben. Ein grossartiges Werk im wahrsten Sinne des Wortes:

Die Faksimile-Ausgabe ist 7 Kg schwer, 40 cm x 30 cm gross und 5 cm dick – und wunderschön!

Maltherapie

Mehr als 10’000 Bilder von Jungs PatientInnen sind heute im Jung Institut in Küssnacht am Zürichsee erhalten. Das 2018 erschienene Buch «Das Buch der Bilder» , herausgegeben von Ruth Ammann, Verena Kast und Ingrid Riedel, enthält neben aufschlussreichen Einblicken in Jungs Verständnis von Analyse und Malerei eine geniale Auswahl dieser starken Bilder seiner Patientinnen und Patienten. 

 

Es hat mich fasziniert zu erfahren, dass er und seine enge Mitarbeiterin, die Analytikerin Jolande Jacobi, die heutige Maltherapie so nachhaltig beeinflusst haben. Jacobis Buch «Vom Bildreich der Seele» erschien 1969 und gilt bis heute als klassisches Lehrbuch der Maltherapie. Ingrid Riedel und Christa Henzler verfolgten dieses Konzept weiter und veröffentlichten 1992 ihr Buch «Maltherapie. Eine Einführung auf der Basis der Analytischen Psychologie von C. G. Jung».


Jetzt wünsche ich dir ganz viel Freude und innere Ruhe beim Malen deiner Mandalas und Yantras.

 

Und wenn dir diese kreative Mandala Yantra Inspiration gefallen hat, dann freue ich mich über deinen Kommentar im Kontaktfeld.

Ich hoffe, ich konnte dich mit meiner Begeisterung anstecken.

 

Mit lieben Grüssen aus dem Atelier, 

Julia Bigler

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Susanne (Dienstag, 25 August 2020 14:19)

    Wunderschön, herzlichen Dank!

  • #2

    Larissa (Mittwoch, 26 August 2020 13:04)

    Eine neue Entdeckung für mich, sehr inspirierend! Danke, liebe Julia

  • #3

    Iris (Mittwoch, 26 August 2020 20:00)

    Liebe Julia, ich danke dir für deine Inspirationen und somit große Lust auf kreative Gestaltung